Prädikat: "Besonders wertvoll"

Abschlussbericht des Vorsitzenden der Landesjugendkammer bei der Landesjugendkammer am 2. November 2002

1. Vorbemerkung
2. Alles in Ordnung?
3. Jugend forscht
4. Inhaltsverzeichnis
5. Zur Person


1. Vorbemerkung
"Schreib's aber so, dass wir es hinterher im mitarbeiten veröffentlichen können", gaben mir ein Referent für Veröffentlichungen und ein Landesjugendwart, die ich hier namentlich nicht nennen möchte, mit auf den Weg. Das nächste mitarbeiten wird sich mit der Evangelischen Jugend als Jugendverband beschäftigen. Aber keine Sorge: Ich werde hier weder mein Referat vom Februar wiederholen, noch sollt ihr hinterher in Kleingruppen das Gesagte diskutieren. Ich möchte auch nicht die Rückschau auf die vergangenen drei Jahre Landesjugendkammer wiederkäuen - die haben wir ja heute Nachmittag gemeinsam bewältigt. Ich möchte aber zum Ende der Legislaturperiode doch noch einmal ein paar Dinge ansprechen, die in den vergangenen drei Jahren für mich wichtig waren. Dass ich dabei einzelne Erlebnisse, Veranstaltungen und Beschlüsse aus meiner persönlichen Sicht aufgreife, ist ganz normal. Geradezu unvermeidlich ist dabei auch, dass meine Ausführungen sich mit unserem Jugendverband beschäftigen. Womit sonst? Und es ist tatsächlich ein Abschlussbericht, da ich der nächsten Landesjugendkammer nicht mehr angehören werde.

2. Alles in Ordnung?
Die ganzen drei Jahre hat uns immer wieder das Thema "Ordnung für die Evangelische Jugend" beschäftigt. Die entsprechende Projektgruppe wurde sogar schon im Februar 1999 eingesetzt. Drei Jahre Strukturdebatten und Gremienanalysen - wie langweilig! Ich gebe zu: Auch ich lese lieber einen vernünftigen Roman als spröde Gesetzestexte. Aber darum geht es gar nicht. Es geht in unserer Ordnungsdiskussion um nicht mehr und nicht weniger als um das Wesen des Jugendverbandes "Evangelische Jugend". In unserer Ordnung ist detailliert beschrieben, wie die Selbstorganisation der Evangelischen Jugend funktionieren soll. Diese Selbstorganisation - demokratisch im Aufbau, eigenständig innerhalb einer Erwachseneninstitution und mit eigener Verantwortung für Inhalte und Finanzen - ist die Grundvoraussetzung für eine staatliche Anerkennung als verbandliche Jugendarbeit. Aber es geht auch nicht nur um staatliche Anerkennung, sondern um unseren eigenen Anspruch an die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die Evangelische Jugend will aus ihrem christlichen Verständnis heraus mündige, selbstbewusste und verantwortungsbereite Menschen hervorbringen.

Dass dieses in großem Maße auch gelingt, wird immer wieder unterschätzt. Es kommt bei Politikerinnen und Politikern in Regierungsverantwortung immer mehr in Mode, projektorientierte Jugendarbeit zu fördern. Mir wird ganz schlecht, wenn ich an dieser Stelle schon wieder das Wort "event" in den Mund nehmen müsste. Müsste ich aber, denn damit kann man sich so viel leichter schmücken als mit einer kontinuierlichen, oft im Hintergrund wirkenden verbandlichen Jugendarbeit, die weder mit vordergründiger Massenwirkung noch mit medialer Attraktivität protzen kann.

Und nun unsere Ordnung: Ist das, was wir in dreijährigen Diskussionen geändert haben, nicht nur harmlose Kosmetik? Soll das etwa ein großer Wurf gewesen sein? Ich glaube, auch das ist die falsche Frage. Wir haben nur behutsam in unserer Ordnung herumradiert, und das halte ich für vernünftig. Denn sie garantiert aus meiner Sicht vorrangig Rechte, wenn es um die Belange von Kindern und Jugendlichen geht. Weniger Pflichten. Auch wenn ich in Gesprächen das Gegenteil gehört habe, nämlich, dass sich Konvente von der Ordnung wie durch ein Korsett eingeschnürt fühlen, weil sie die vorgeschriebenen Gremien nicht mit Menschen füllen können. Dieses Gefühl der Einengung darf nicht sein, finde ich. Erst eine funktionierende Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kann die Strukturen des Jugendverbandes mit Leben füllen. Umgedreht geht das nicht: Keine noch so gute Struktur schafft aus sich selbst heraus eine prima Jugendarbeit. Deswegen sollten wir unsere Ordnung so benutzen, dass sie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fördert und nicht behindert - unser Bundeskanzler würde jetzt sagen: "Wir müssen die Stabilitätskriterien unserer Ordnung flexibel auslegen."

Dass derartige Rahmenrichtlinien von der Landesjugendkammer mitunter mühsam diskutiert werden müssen, mag manchmal nerven. Aber das ist unser Job, ich wüsste nicht, wer uns den abnehmen sollte. Ich hoffe sogar inständig, dass uns diese Arbeit nicht abgenommen wird, denn ich weiß natürlich nicht, welche Ideen unsere Kirchenleitung noch zu unserer Ordnung beisteuern möchte. Das wird dann wieder ein Thema für die nächste Kammer sein.

3. Jugend forscht
Möglicherweise kommt uns demnächst unverhofft Hilfe ins Haus: Die aej hat in Kooperation mit der Freien Universität (FU) Berlin ein Forschungsprojekt konzipiert, das explizit den Verband Evangelische Jugend "durchleuchten" soll. Es geht also nicht um eine weitere Jugendstudie, sondern tatsächlich um die erste wissenschaftliche Untersuchung eines Jugendverbandes. Daran beteiligt ist mit Prof. Dr. Richard Münchmeier einer der Verfasser der 13. Shell-Jugendstudie "Jugend 2000". Angesichts der Tatsache, dass wir uns im Juni 2000 noch recht kritisch über die Studie geäußert haben, gerade was die Fragen zur religiösen Sozialisation Jugendlicher angeht, freue ich mich, dass ausgerechnet die Evangelische Jugend als repräsentativer Verband zu Forschungszwecken herhalten darf. Ich bin nicht so vermessen, dass ich glaube, das eine hätte mit dem anderen zu tun, aber immerhin ist unsere Stellungnahme damals auch in der aej-information veröffentlicht worden und hat von da aus gewisse Kreise gezogen; erst kürzlich bin ich z.B. auf den Internetseiten des Evangelischen Jugendpfarramtes Köln über unser Statement gestolpert.

Inzwischen gibt es zwar eine neue Shell-Jugendstudie, aber die Fachwelt ist sich ziemlich einig, dass sie ihrer Vorgängerin nicht das Wasser reichen kann. So meint etwa Mike Corsa, Generalsekretär der aej, nach einer mehrseitigen Auseinandersetzung mit der 14. Shell-Studie in der aktuellen aej-information: "Abschließend empfehle ich die Rückkehr zur 13. Shell-Jugendstudie - sie hat mehr Substanz und noch genügend Aussagekraft über die aktuelle Lage der jungen Generation."

Nun also ein Sonder-Forschungsprojekt über die Evangelische Jugend. Zwei Ziele soll die Studie verfolgen: Es soll zum einen der Blick auf die "Reproduktion und Reichweite des Verbandes" gelenkt werden. "Reproduktion" soll übrigens nicht heißen, dass die Forscher auf bestehenden empirischen Ergebnissen einiger Kammermitglieder aufbauen möchten, die herausgefunden haben, wieviele Kinder von Kammermitgliedern in der letzten Legislaturperiode gezeugt wurden. Sondern es geht (etwas vereinfacht gesprochen) darum, wo der Jugendverband Evangelische Jugend seine Mitglieder herbekommt. Wie werden neue Mitglieder geworben? Wird die Mitgliederwerbung durch die Strukturen begünstigt? Geschieht sie unabhängig davon?

Die zweite Frage soll sich mit Anspruch und Wirklichkeit der evangelischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen. Auch hier die Fokussierung auf den Jugendverband: Wie schafft es die verbandliche Jugendarbeit, ihre Ziele zu verwirklichen oder Defizite zu überwinden? Dieses soll unter der Verantwortung der FU Berlin erforscht werden.

In einem weiteren Schritt möchte die aej bei einigen ihrer Mitgliedsverbände einen Organisationsentwicklungsprozess einleiten, in dem die gewonnenen Erkenntnisse umgesetzt werden sollen. Das Bundesjugendministerium hat in diesem September zu dem Vorhaben ein zustimmendes Votum abgegeben und die erste Phase für den Zeitraum von November 2002 bis Dezember 2003 bewilligt.

Ich erzähle das so ausführlich, weil der Vorstand der Landesjugendkammer der Anfrage positiv gegenübersteht, ob die Evangelische Jugend der hannoverschen Landeskirche zu den Mitgliedsverbänden gehören möchte, die im Rahmen des Forschungsprojekts die "Hosen runterlassen". Das ist nicht ganz unriskant. Im schlimmsten Fall könnte am Ende das Ergebnis stehen, dass unsere Verbandsstrukturen tatsächlich untauglich sind für das, was wir eigentlich wollen. Es könnte aber auch sein, dass es den Jugendverbänden ganz besonders gelingt, ihre Zielgruppe zu Toleranz, Demokratie und Verantwortung zu "erziehen". Ich sage bewusst "erziehen", weil der EKD beispielsweise eingefallen ist, dass der Evangelischen Jugend angesichts der schaurigen PISA-Ergebnisse ein neuer Bildungsauftrag zuwachsen könnte. Ich behaupte, verbandliche Jugendarbeit nimmt diesen Auftrag längst besser war, als es andere Formen von Jugendarbeit können.

Wenn die Politik ernst macht mit der flächendeckenden Einrichtung von Ganztagsschulen, wird es ohnehin wieder einmal schwierig für verbandliche Jugendarbeit. Wenn die Schule bis in den späten Nachmittag dauert, wer soll dann noch zu uns kommen? Das spricht nicht gegen mehr Ganztagsschulen, für deren Einrichtung es plausible Argumente gibt, wird von uns aber wiederum eine Anpassungsleistung erfordern. Ebenso werden die Ergebnisse des Forschungsprojektes nicht spurlos an uns vorübergehen können. Um mit Herbert Grönemeyer zu sprechen: Bei der Evangelischen Jugend "bleibt alles anders".

4. Inhaltsverzeichnis
Bei soviel Strukturgerede mag dem einen oder der anderen vielleicht durch den Kopf gehen: "Wenn wir uns doch wieder mehr um Inhalte kümmern würden...". Ich gebe zu, dass ich das in der vergangenen Legislaturperiode der Kammer auch oft gedacht habe. Es ist kein angenehmes Gefühl, wenn man den Eindruck hat, dass man sich weitgehend um sich selbst und seine Strukturen dreht. Stimmt dieser Eindruck? Als wir im Kammervorstand einen ersten Rückblick auf die zurück liegenden drei Jahre gewagt haben, waren wir positiv überrascht, dass auch inhaltlich Einiges gelaufen ist. Ich hoffe, dass es euch heute Nachmittag wenigstens ein bisschen ähnlich gegangen ist. Ein paar Stichworte möchte ich deshalb noch einmal in den Raum werfen:

  • Wir haben mit der Verabschiedung von "Geschlechtsbewussten Standards" ganz sicher eine Vorreiterinnenrolle eingenommen. Innerhalb der Gesellschaft, auch innerhalb unserer Kirche, vielleicht sogar innerhalb der Evangelischen Jugend. Ich erinnere mich, dass ich an das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt im Mai 2000 zwei Pressemitteilungen geschickt habe: eine bezüglich unserer Stellungnahme zur Shell-Studie und eine zu unseren geschlechtsbewussten Standards. Als ich anschließend um ein Interview gebeten wurde, dachte ich sofort, dass es um die Shell-Studie gehen würde, zumal das Thema kurz zuvor auch im Sonntagsblatt behandelt wurde. Irrtum, die Zeitung wollte mehr über unsere geschlechtsbewussten Standards wissen - vielleicht, weil manches darin doch immer noch ungewöhnlich und fremd klang.
  • Wir haben mit der Förderung von Inhaberinnen und Inhabern der JuLeiCa ernst gemacht. Unser Beschluss, Maßnahmen der Evangelischen Jugend für Jugendleiterinnen und Jugendleiter pauschal und unkompliziert zu bezuschussen, war zwar zunächst eine strukturelle Maßnahme, aber natürlich vor Ort stets mit inhaltlichen Auswirkungen verbunden. Wiederum haben wir damit eine Vorreiterinnenrolle eingenommen, die andere animiert hat, die JuLeiCa ebenfalls ernst zu nehmen.
  • JAM-City und YouthCamp 2000 waren ebenfalls Projekte, die in unsere Amtszeit fielen, noch dazu zwei wirklich unvergleichliche Projekte. Es gab in dieser Zeit, das will ich nicht verschweigen, manche Probleme, die zum Teil über die Camps hinauswirkten. Damit meine ich nicht nur finanzielle Probleme, sondern sehr deutlich auch manche persönliche menschliche Verletzung, die den Mitwirkenden der Camps zugefügt wurde oder die sie sich gegenseitig zugefügt haben. Ich hoffe trotzdem, dass niemand unterm Strich die Erlebnisse im Jahr 2000 missen möchte, denn sie haben bei allen Schwierigkeiten auch eine Menge wertvoller neuer Erfahrungen mit sich gebracht. Mindestens eine sichtbare Veränderung haben die Projekte bis heute für die Kammer bewirkt. Wir haben einen Vertreter des BDKJ offiziell in die Landesjugendkammer berufen und haben damit demonstriert, dass wir den Kontakt zwischen evangelischem und katholischem Jugendverband nicht abreißen lassen wollen. In diesem Sinne habe ich mich sehr gefreut, dass ich im Gegenzug Ende November zur Diözesanversammlung des BDKJ der Diözese Hildesheim eingeladen worden bin - auch wenn ich dort erst einmal nur dem neu gewählten Vorstand gratulieren und ankündigen kann, dass auch bei uns demnächst neu gewählt wird.
  • Im November 2000 haben wir uns entschlossen, "Gewalt überwinden" zum Schwerpunktthema der nächsten Jahre zu erklären. Wenn man sich vor Augen führt, wieviele Initiativen und übergreifende Zusammenarbeit die Dekade des Ökumenischen Rates der Kirchen allein in unserer Landeskirche angestoßen hat, wäre es im Nachhinein sicher etwas merkwürdig gewesen, wenn sich die Landesjugendkammer im November 2000 für ein anderes Thema entschieden hätte. Ich erinnere mich noch an die mit dem Beschluss verbundene Mahnung, dass einer Entscheidung für einen solchen Schwerpunkt auch Taten folgen müssten. Ich finde, unsere Zwischenbilanz nach zwei Jahren kann sich sehen lassen; und wenn ich jetzt einige Aktivitäten nenne, ist dabei das, was in der Evangelischen Jugend in den Kirchenkreisen, Sprengeln und Verbänden geleistet wurde und wird, natürlich noch gar nicht berücksichtigt: Der Landeskirchliche Jugendsonntag hat sich inzwischen zweimal der Gewalt-Thematik angenommen und ist auf dem besten Wege, sich zu etablieren. Die Gottesdienstentwürfe erscheinen inzwischen regelmäßig in den Dekade-Arbeitsheften des Hauses kirchlicher Dienste. Die Resonanz auf unsere Plakatwandaktion hat unsere eigenen Erwartungen weit übertroffen. Sie hat über die beteiligten Gruppen hinaus nicht nur das Interesse der Medien, sondern auch eines Göttinger Psychologenkongresses geweckt, bei dem wir unsere Arbeit mal in einem ganz anderen Umfeld präsentieren konnten. In der November-Kammer 2001 saß der Schock über die Terroranschläge auf die USA und den Krieg in Afghanistan noch tief. Der Vorstand hat schnell reagiert und das Thema "Muslime und Christen" auf die Tagesordnung gehoben. Darüber hinaus hat die Kammer eine Stellungnahme gegen Krieg als Konfliktlösungsmittel verabschiedet. Der Anlass war natürlich schrecklich, aber mir ist gerade diese Sitzung besonders eindrücklich im Gedächtnis geblieben. Eine derart konzentrierte und konstruktive Diskussion wie über die Stellungnahme - wir haben sie dann einstimmig beschlossen - hatte ich vorher noch nicht erlebt. Das war für mich eine Sternstunde der Landesjugendkammer. Vorläufiger Höhepunkt unserer Arbeit zum Dekade-Thema war das Landesjugendcamp unter dem Motto "Schlagfertig - Vom Einstecken und Austeilen". Nicht zu vergessen bleibt, dass alles, was ich soeben aufgezählt habe, natürlich auch kontinuierlich im mitarbeiten dokumentiert wurde.

Mir ist noch wichtig, dass zu der Arbeit der Landesjugendkammer ganz selbstverständlich auch die Gottesdienste am Samstag Abend gehören, meistens feiern wir sie als Abendmahlsgottesdienste. Das ist nun wirklich das, was wir anderen Jugendverbänden voraus haben: Wir können unsere Fragen und Sorgen, unseren Unmut über manchen Sitzungsverlauf, vielleicht unser eigenes Fehlverhalten in einer Diskussion, aber natürlich auch unsere Freude und unseren Dank gemeinsam vor Gott bringen. "Evangelische Jugend ist eine wertvolle Gemeinschaft, weil..." - So fingen 1998 die Thesen zur Kampagne der Evangelischen Jugend "...weil wir es wert sind" an. Die Landesjugendkammer ist eine wertvolle Gemeinschaft besonders in den Gottesdiensten. Nebenbei bemerkt: Ich persönlich brauche den Gottesdienst auch mental als Übergang von der Tagesordnung zum Bistro.

Damit will ich den Bereich "Inhaltliches" ohne Anspruch auf Vollständigkeit verlassen und noch ein paar Stichworte nennen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste Landesjugendkammer beschäftigen werden:
  • Die Dekade zur Überwindung von Gewalt dauert bis 2010. Ich bin überzeugt, dass der Evangelischen Jugend noch viele gute Projekte zu diesem Thema gelingen werden.
  • Der Ökumenische Kirchentag 2003 in Berlin steht unmittelbar vor der Tür. Er hat uns bereits beschäftigt und wird uns weiter beschäftigen.
  • 2003 wurde zum "Jahr der Bibel" auserkoren. Auch hier sind die Vorbereitungen bereits in vollem Gange.
  • Im Juni 2004 wird - wir haben es gestern beschlossen - wieder ein Landesjugendcamp im Sachsenhain stattfinden.
  • 2005 ist der Deutsche Evangelische Kirchentag in Hannover zu Gast. Die Planungen haben bereits begonnen und die Landesjugendkammer wird vermutlich sehr intensiv in die Vorbereitung einzelner Projekte einsteigen - oder mindestens viele ihrer Mitglieder.

Damit ist klar, dass sich die Landesjugendkammer auch in ihrer nächsten Legislaturperiode nicht langweilen wird. Dass die Neufassung der Ordnung und die Umstrukturierung des Landesjugendpfarramtes sicher zwischendurch nochmal auf die Tagesordnung kommen müssen, sollte diejenigen unter euch, die auch der nächsten Kammer angehören werden, deshalb nicht allzu sehr erschüttern.

5. Zur Person
Ich möchte zum Schluss noch ein paar persönliche Dinge loswerden: Zunächst mal, ich sagte es eingangs schon, werde ich der nächsten Landesjugendkammer nicht mehr angehören. Es war abzusehen, dass ich in diesem Jahr mein Studium der Germanistik und Politikwissenschaft abschließe und es war zwar nicht abzusehen, aber ich habe es gehofft, dass ich im Anschluss relativ schnell ins Berufsleben einsteigen kann, was, wie einige aus meinem persönlichen Umfeld meinen, auch höchste Zeit wird. Ab dem 1. Januar ist mein Arbeitgeber die Tageszeitung "Volksstimme" mit Hauptsitz in Magdeburg, bei der ich eine zweijährige Journalistenausbildung, ein so genanntes Volontariat, absolvieren werde. Ich freue mich sehr darauf, weil es für mich ein völlig neuer Lebensabschnitt wird. Die "Volksstimme" fand meine Bewerbung übrigens nicht zuletzt wegen meines kirchlichen Engagements interessant.

Die rechtzeitige Fertigstellung meiner Magisterarbeit im Januar dieses Jahres war ein Kraftakt. Ich hatte eigentlich erst nach der November-Kammer den Kopf halbwegs dafür frei - wenn man davon absieht, dass ich mich noch bereit erklärt hatte, am 4. Januar beim Festakt zum 20-jährigen Jubiläum des Theatertreffens hier im Sachsenhain einen Teil der Moderation zu übernehmen. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei den Referentinnen und Referenten im Landesjugendpfarramt bedanken, die von sich aus einige Dinge von mir abgeschirmt haben und mich nötigenfalls auch mal in den Hintern getreten haben, falls ich mir Gedanken gemacht habe, die nichts mit meiner Magisterarbeit zu tun hatten. Ich möchte keine einzelnen Namen aufzählen; die hier Anwesenden werden sich an manche Situation erinnern - und ich schließe natürlich ausdrücklich die ein, die heute nicht hier sein können.

Nur einen möchte ich bei der Gelegenheit erwähnen: Gerd Schridde. Zu Gerd, der nach mir ins Amt gekommen ist und vor mir - ich muss hier nicht näher darauf eingehen - dieses Amt wieder aufgegeben hat, habe ich persönlich schnell ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen können. Für seinen Beistand auch in manchen privaten Situationen möchte ich ihm danken. Ich erinnere mich an ein besonders nettes Gespräch, das wir beim Bier in einem BordRestaurant der Deutschen Bahn hatten, weil wir nach einem Besuch im Sprengel Göttingen leider in den falschen Zug eingestiegen waren.

Für große Entlastung hat selbstverständlich auch der Vorstand gesorgt. Wir waren ein Vorstand, der aus einigen Fehlern früherer Vorstände lernen konnte, besonders, was das schnelle Miteinander-warm-werden betrifft. Wir haben uns mit unseren unterschiedlichen Fähigkeiten und Vorlieben hervorragend ergänzt. Ein riesiges Dankeschön für die gemeinsamen Jahre möchte ich deshalb in alphabetischer Reihenfolge - damit keine Missverständnisse aufkommen - an Dörthe, Kai, Michael, Reni und Thorsten und als beratende Mitglieder an Manfred, Siggi und Wolfgang richten - und an Frau Rohmeier, die ebenfalls mit uns durch Freud und Leid gegangen ist. Keine Ahnung, ob uns das jemand glaubt, aber wir hatten trotz prall gefüllter Tagesordnungen irgendwie auch immer Riesen-Spaß.

Am 17. Juni 2002 hatte ich mündliche Magisterprüfungen, zwei Wochen nach dem Landesjugendcamp und eine Woche nach dem Tag der Kirchenvorstände. An das Landesjugendcamp habe ich deshalb eine sehr subjektive, zwiespältige Erinnerung. Aus der inhaltlichen Vorbereitung habe ich mich auf allen Ebenen herausgehalten. Erst einen Tag vor dem Camp habe ich umgeschaltet und mich auf Begrüßung, Schlussgottesdienst und sonstige Moderationen vorbereitet. Das hatte zur Folge, dass ich auf dem Camp außer repräsentativen Aufgaben wirklich nichts zu tun hatte. Ein sehr seltsames Gefühl, aber es ging nicht anders. Auch hier danke ich allen, die in der Camp-Vorbereitung Verständnis für meine Situation hatten.

Wenn ich unter meine neun Jahre Landesjugendkammer - drei Jahre "normaler" Delegierter für den Sprengel Hildesheim, drei Jahre Vorstandsmitglied und drei Jahre Vorsitzender - einen dicken Strich ziehe, kann ich diesem Zeitraum wirklich nur das Prädikat "besonders wertvoll" verleihen. Damit meine ich vor allem meine ganz persönliche Entwicklung, die von diesen neun Jahren natürlich außerordentlich geprägt war.

Dabei sind die Momente, bei denen man sich vorher vor Aufregung am meisten ins Hemd macht, hinterher oft die besten Erfahrungen. Das betrifft Situationen wie bei der Jubiläumsfeier "50 Jahre Sachsenhain", bei der mir bei der Party am Freitag Abend mein Redemanuskript für Samstag Morgen abhanden gekommen war und ich eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn bibbernd auf dem Klo saß und mir neue Stichworte aufschrieb.

Ähnlich aufregend war der Gedanke, beim "Tag des Ehrenamtes" in der Preussag Arena vor 7000 Leuten bei einer so genannten "moderierten Bibelarbeit" schlaue Dinge sagen zu sollen. Bis kurz vor Veranstaltungsbeginn habe ich mich ständig an meine bis dato einzige Preussag-Arena-Erfahrung erinnern müssen, nämlich ein Herbert-Grönemyer-Konzert, bei dem ich in dieser riesigen Halle ungefähr in der letztmöglichen Reihe saß. Von der Bühne aus war der Innenraum plötzlich sehr überschaubar.

Ich habe gerade meiner Zeit als Vorsitzender der Landesjugendkammer sehr viel zu verdanken. Was ich umgedreht für die Evangelische Jugend bewirken konnte, kann ich natürlich nicht beantworten. Ich habe oft gedacht: Müsste die Evangelische Jugend, müsste die Landesjugendkammer und also auch ich als ihr Repräsentant innerkirchlich und nach außen nicht manchmal frecher und radikaler sein? Dazu kann ich nur sagen: Das entsprach und entspricht nicht meiner Persönlichkeit. Mein Anliegen war es immer, auch in schwierigen Diskussionen und bei unterschiedlichen Ansichten, etwa mit der Kirchenleitung, ein ernst zu nehmender Gesprächspartner zu sein - natürlich nicht um den Preis der Aufgabe eigener Standpunkte, aber eben auch mit einer Portion Kompromissbereitschaft.

Es gibt in anderen Landeskirchen andere Modelle. Dort ist z.B. die Landesjugendkammer ein von der Kirchenleitung eingesetztes Hauptamtlichengremium, und daneben gibt es einen ehrenamtlich besetzten Landesjugendkonvent oder eine Landesjugendvertretung, die sich oft genug nicht nur als Opposition zur Kirchenleitung, sondern auch zum eigenen Landesjugendpfarramt abarbeiten. Mit denen möchte ich nicht tauschen, selbst wenn es auch in solchen Systemen sicher Vorteile gibt. In unserer Landesjugendkammer sitzen so gut wie alle Entscheidungsträgerinnen und -träger an einem Tisch, mit einer großen Mehrheit von Ehrenamtlichen. Ich glaube, dass wir dadurch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben, dazu noch in der größten Landeskirche.

Meine Art, das Amt des Vorsitzenden wahrzunehmen, war jedenfalls eher bestimmt durch ein positives Werben für die Evangelische Jugend, durch viele Gruß-, Vor-, Nach- und sonstige Worte und weniger eine auf Konfrontation ausgerichtete. Das kann meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger in ihrem oder seinem Sinne natürlich völlig anders gestalten.

Ich möchte noch anfügen, dass ich mich durch mein Wahlergebnis vor gut drei Jahren - 41 Ja- und 2 Nein-Stimmen gab es - die ganze Zeit hindurch von dieser Landesjugendkammer gut getragen, unterstützt und akzeptiert gefühlt habe. Das erleichtert die Arbeit ungemein. Zum Schluss gilt also euch und allen Delegierten, die während dieser Legislaturperiode der Kammer angehört haben, mein riesiger und über den heutigen Tag hinausgehender Dank!

Lothar Veit
Vorsitzender der Landesjugendkammer
Reformationstag, 31. Oktober 2002

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