Für "Gender Mainstreaming" muss ein deutscher Begriff her

Grußwort bei der 112. Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (aej) vom 22. bis 24. November in Hannover

Liebe Delegierte der aej-Mitgliederversammlung, sehr geehrte Damen und Herren,

als Vorsitzender der Landesjugendkammer der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers möchte ich Sie alle in eben dieser Landeskirche begrüßen. Ich gebe zu, dass mir der Gedanke, hier als ein Vertreter der gastgebenden Landeskirche zu sprechen, etwas fremd vorkommt. Erstens lerne ich heute zum ersten Mal das "Stephansstift" kennen, was mich wahrscheinlich mit den meisten von Ihnen verbindet, und zweitens wimmelt es hier ja nur so von Gastgebenden, da sich erstaunlicherweise in der Metropole Hannover mit der aej und der EKD alle wichtigen evangelischen Konzernzentralen befinden.

Dennoch freue ich mich, dass die aej dieses Wochenende auf unserem Terrain tagt und grüße Sie im Namen aller, die in den Gemeinden, Kirchenkreisen, Sprengeln, auf Landesebene und in den Verbänden eigener Prägung innerhalb unserer Landeskirche die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verantworten.

Das Schwerpunktthema, das Sie sich für diese Mitgliederversammlung gesetzt haben, hat für die Evangelische Jugend in der hannoverschen Landeskirche große Bedeutung. 1988 gründete sich auf Initiative einer Referentin im hiesigen Landesjugendpfarramt der erste Arbeitskreis "Frauen und Mädchen in der Jugendarbeit". Für die Zeit von 1991 bis 2001 konnte die Evangelische Jugend im Rahmen eines von der niedersächsischen Landesregierung aufgelegten Modellprojekts "Mädchen in der Jugendarbeit" die Stelle einer Mädchenreferentin einrichten. Mädchenarbeit wurde ein Schwerpunkt innerhalb unserer Arbeit, die Landesjugendkammer hat dafür spezielle finanzielle Fördermöglichkeiten beschlossen.

Recht bald wurde uns allerdings deutlich, dass eine etablierte Mädchenarbeit zwar ausgesprochen wichtig und nötig ist, es parallel dazu konsequenterweise aber auch verstärkt Jungenarbeit geben müsste. Der Begriff der "geschlechtsbewussten Arbeit" setzte sich infolgedessen langsam in den verschiedenen Bereichen der Evangelischen Jugend in unserer Landeskirche durch - mit Auswirkungen auf die Freizeitarbeit, auf die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden und auf die Schulung von Jugendgruppenleiterinnen und -leitern.

Mehrere Ausgaben der Zeitschrift "mitarbeiten" des Landesjugendpfarramtes Hannover haben sich in den vergangenen Jahren der Thematik gewidmet. In unserer Landesjugendkammer gibt es neben den obligatorischen Ausschüssen für Finanzen und Jugendpolitik auch einen Ausschuss für geschlechtsbewusste Arbeit. Ganz aktuell bemühen wir uns im Rahmen eines erneuten Sonderprogramms der niedersächsischen Landesregierung um die Einrichtung einer Stelle für Jungenarbeit.

Im Juni 2000 hat die Landesjugendkammer "Standards für geschlechtsbewusste Arbeit mit Kindern und Jugendlichen" beschlossen. Darin geht es vor allem um die Reflexion des eigenen Rollenverhaltens und des Rollenverhaltens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Angeboten der Evangelischen Jugend sowie um klare Prüfsteine für die Arbeitspraxis. Ich will nicht verschweigen, dass diese Praxis natürlich immer wieder und auf allen Ebenen unseren schriftlichen Standards hinterherhinkt. Aber wir haben zumindest einen Maßstab formuliert, an dem wir unsere Arbeit ausrichten und uns messen lassen wollen.

Vielleicht ist dem einen oder der anderen aufgefallen, dass ich bis hierhin den Begriff "Gender Mainstreaming" noch nicht in den Mund genommen habe. In dem zu dieser Sitzung verschickten aej-Materialband weist Dr. Birgit Schweikert darauf hin, dass es für "Gender Mainstreaming" noch keine adäquate deutsche Übersetzung gibt. Sie bittet um Vorschläge für eine solche Übersetzung an ihr Ministerium. Ich hoffe sehr, dass ihrem Aufruf gefolgt wird, denn ich glaube, dass die englische Bezeichnung einer noch breiteren gesellschaftlichen Diskussion des Themas im Wege steht. Vielleicht gelingt dieser aej-Mitgliederversammlung ja der sprachliche Durchbruch.

Für die Beratungen über das Schwerpunktthema, aber natürlich auch für die gesamte Sitzung, wünsche ich Ihnen viel Erfolg und gute Ideen. Vielleicht können Ihnen die "Standards für geschlechtsbewusste Arbeit" der hannoverschen Landesjugendkammer in der Diskussion hilfreich sein. Soweit sie ausreichen, werden unsere Delegierten Michaela Bärwaldt und Marco Dieckhoff sie jetzt gleich verteilen, zusammen mit ein paar Werbe-Artikeln aus unserer Arbeit: ein kleiner Anstecker von unserem diesjährigen Landesjugendcamp und ein blaues Schlüsselband. Beides können Sie getrost benutzen, weil nicht "Hannover" drauf steht.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Lothar Veit
Vorsitzender der Landesjugendkammer
der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
21. November 2002

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