Bischof empört über Papst-Satire

Chrisammesse im Hildesheimer Dom / Neues Pilgerkreuz und Heilige Öle gesegnet

(lv) Ob es nun tatsächlich die erwarteten 3000 Jugendlichen waren, wird wohl niemand ernsthaft gezählt haben. Auf jeden Fall war der Dom gestern Abend rappelvoll, die Menschen standen dicht gedrängt auf den Gängen, saßen auf den Treppen und Emporen und überall, wo noch ein wenig Platz war. Sie waren aus dem gesamten Bistum Hildesheim zur Chrisammesse gepilgert, bei der Bischof Norbert Trelle die Heiligen Öle geweiht hat, mit denen im ganzen Bistum Kinder getauft, Jugendliche gefirmt und Kranke gesalbt werden.

Und noch eine Besonderheit gab es bei der Messe. Der Bischof segnete das neue Pilgerkreuz, das er der Jugend im Bistum gestiftet hat (die HAZ berichtete). Das Kreuz stellte er auch in den Mittelpunkt seiner Predigt. "Es soll zum Erkennungszeichen eures Lebens werden, damit ihr zum Segen für andere werdet", rief der Bischof den Jugendlichen zu. Im übertragenen Sinn lasse sich das christliche Kreuz mit einer Straßenkreuzung vergleichen. "Man muss sich für eine Richtung entscheiden." Ihn bedrücke die Lebensweise der Menschen, die sich alle Optionen offen lassen wollen. "Entscheidungen werden uns damit nicht abgenommen", so der Bischof.

Christen sollten entschieden für ihren Glauben eintreten, forderte Trelle. Daher müsse man mit Empörung reagieren, wenn ein Fernsehsender "mit einer unsäglich dümmlichen Serie" das Christentum verhöhnen wolle. Ohne den Sender beim Namen zu nennen, spielte Trelle auf die vom Musiksender MTV angekündigte Comic-Satire "Popetown" an, bei der es laut Eigenwerbung um einen "durchgeknallten Papst" gehen soll. Eine Anzeige für die Serie hatte heftige Kritik auf sich gezogen. Sie zeigt einen lachenden Jesus im Fernsehsessel, im Hintergrund ein leeres Kreuz. Titel der Anzeige: "Lachen statt rumhängen".

Bereits am Nachmittag waren auf dem Domhof Stände von Jugendverbänden und Einrichtungen aufgebaut. Der Besuch hielt sich wegen des Regens jedoch in Grenzen. Im "missio Aids-Truck" konnte man sich über das Schicksal von Aids-infizierten Kindern informieren. In dem umgebauten Sattelschlepper wird unter anderem der Schutz mit Kondomen empfohlen - wenn man nicht enthaltsam oder treu leben könne.

(erschienen in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung am 13. April 2006)

zurück

© 2001-2015 >> WebDesign: Lothar Veit, Rosenhagen 2, D-31134 Hildesheim