Oben links: War da was?

Der Entweihrauch hat sich verzogen. Am Mittwoch hat der Musiksender MTV die zweite Folge der vermeintlichen Kirchensatire „Popetown“ ausgestrahlt und angedroht, auch die restlichen zu zeigen. Aber keine Sorge: Die Sendung wird irgendwann eingestellt, und es wird nie wieder ein Hahn dreimal danach krähen. Denn die vorauseilende Aufregung der Moralapostel war vollständig überflüssig. Die Serie ist infantil, belanglos und unkomisch. Wer wider Erwarten doch etwas zu lachen findet, lacht damit nicht automatisch über die Kirche oder schändet gar das Kreuz. Die bombastische Einschaltquote der ersten Ausstrahlung ist das Verdienst der Kritiker, die sich im Vorfeld an Empörung geradezu überboten haben – wie so oft, ohne das Produkt überhaupt zu kennen. Viele Christen hatten im Sog des Streits um die Mohammed-Karikaturen das Gefühl, sie müssten jetzt endlich auch einmal ihre Religion verteidigen. Wer aber glaubt, der religiöse Fanatismus habe das christliche Abendland erreicht, der irrt ebenfalls. Haben katholische Bischöfe ein Kopfgeld auf die MTV-Chefin ausgesetzt? Hat Edmund Stoiber die Senderzentrale angezündet? Nein. Ein paar Tage noch, dann wird die Aufregung verpufft sein. Je eher, desto besser. (lv)

(erschienen in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung am 13. Mai 2006)

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