"Ich habe mit einem Schuss zwei Treffer gelandet"

Jürgen Rüttgers zu Gast beim Hildesheimer CDU-Bezirksparteitag / Warnung an Parteifreunde: Wahl ist noch nicht gewonnen

(lv) Mit Dankesworten empfingen der CDU-Bezirksvorsitzende Hartmut Möllring und Oberbürgermeister Dr. Ulrich Kumme gestern Abend ihren Ehrengast Dr. Jürgen Rüttgers - dafür, dass er mit seinem Wahlsieg in Nordrhein-Westfalen die vorgezogene Bundestagswahl ermöglicht hat.

Es war ein überraschendes Bekenntnis: "Sie haben die vergangenen Wochen meines Lebens durcheinandergewirbelt", sagte Ulrich Kumme zum dienstjüngsten Ministerpräsidenten Deutschlands, der beim Hildesheimer CDU-Bezirksparteitag zu Gast war. Was wie eine Liebeserklärung klingt, war allerdings darauf gemünzt, dass mit der vorgezogenen Bundestagswahl auch die Wahl zum eingleisigen Oberbürgermeister nach vorne verschoben wurde. "Egal, gewinnen wir halt eine Woche eher", schob Kumme launig nach. Jürgen Rüttgers entschuldigte sich "für das Ungemach". Ihm hätte es auch gereicht, nur die Landtagswahlen zu gewinnen. Doch die Neuwahl sei gut für Deutschland, er habe halt "mit einem Schuss zwei Treffer gelandet".

Wie es sich für einen Gast gehört, pries der Politiker die Qualitäten des Gastgebers. Hildesheim sei eine "wunderschöne Stadt", und die Teilnehmer des Parteitages seien zu bewundern, dass sie bei diesen Temperaturen tagten. "Ich würde lieber auf Ihrem Marktplatz ein Bier trinken." Es sei wichtig, dass man eine solche Stadt seriösen Leuten anvertraue, warb er für den OB-Kandidaten Kumme - und nicht Selbstdarstellern. Für diesen Seitenhieb war ihm der Applaus der Delegierten sicher.

Dann ging Rüttgers zur Bundespolitik über. Die aktuellen Umfragewerte im Blick, forderte er seine Parteifreunde auf, die Wahl noch nicht als gewonnen anzusehen. "Die Wahl ist erst am 18. September um 18 Uhr entschieden." Bis dahin müsse um jede Stimme gekämpft werden - und zwar mit Ehrlichkeit. "Die Botschaft heißt nicht: Wählt CDU, und alle Probleme sind gelöst." Stattdessen sei harte Arbeit angesagt. Ihm sei es in seinem Landtagswahlkampf nicht leicht gefallen, sich auf die Marktplätze zu stellen und die Kürzung der Steinkohlesubventionen sowie die Einführung von Studiengebühren anzukündigen.

Doch seiner Ansicht nach müsse die Politik künftig viel stärker darauf achten, was machbar sei und was nicht. Für alle Parteien gelte, dass Ausgaben künftig stärker begründet werden müssten. Und: Es sei unausweichlich, dass die Leute länger für das gleiche Geld arbeiteten. Zudem seien die Arbeitskosten in Deutschland zu hoch. Womit er allerdings keineswegs die Löhne meine. "Ich sage das, weil wir vielleicht bald mit Leuten in der Regierung sitzen, denen auch die Löhne zu hoch sind."

Viel Applaus bekam Rüttgers für seine stets mit Beispielen unterfütterten Einsichten zu den Themen Wirtschaft, Forschung, Bildung und Erziehung - und natürlich für Attacken gegen Rot-Grün. Am Ende gab es stehende Ovationen.

(erschienen in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung am 9. September 2005)

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