Benny auf dem Weg zum Popstar

16-jähriger Hildesheimer bei Casting-Show / Am 2. August im Fernsehen

Von Lothar Veit

HILDESHEIM. Die erste Kontaktaufnahme läuft schon ziemlich popstarmäßig: Für ein Interview mit Benny, der an der sechsten Staffel der Pro-Sieben-Sendung "Popstars" teilnimmt, muss man zunächst in München anrufen und wird dann an eine Agentur in Köln verwiesen. Die stellt zum vereinbarten Termin eine Telefonverbindung her.

Nach fünf Minuten Gespräch die Frage: "Benny, wo bist Du eigentlich gerade?" - "In Hildesheim." - "Ach." - "Ja, wir könnten uns eigentlich auch persönlich treffen." - "Warum muss ich denn dafür erst in München anrufen?" - "Weiß nicht." Zur Sicherheit fragen wir den Agenten, der sich gerade überraschend in die Leitung schaltet und das bisherige Gespräch offenbar mitgehört hat, nach seinem Einverständnis. Er hat zum Glück nichts dagegen.

Benny, mit vollem Namen Benjamin Louis Fiedler, ist 16 Jahre alt, geht zur Realschule Himmelsthür und erfüllt sich gerade einen Traum. "Ich gucke die Sendung schon seit Jahren und es hat mich immer gereizt mitzumachen." Da man erst ab 16 teilnehmen kann, ging das bisher nicht. Jetzt aber hat er nach kurzem Zaudern beschlossen, sich zu bewerben - als einer von bundesweit fast 11.000 Kandidaten. Seine Eltern unterstützen ihn. Sie finden zwar, er hätte den Entschluss, zum Casting (Auswahlverfahren) nach München zu fahren, etwas weniger spontan fassen können (drei Wochen früher hätten genügt, dann hätte Benny in Bremen teilnehmen können), aber sie wollen sein Talent auf jeden Fall fördern.

Das hat er nun unter erschwerten Bedingungen bewiesen. Denn in München, beim letzten von sechs Castings, hatten sich zum Teil auch diejenigen beworben, die bei den vorigen Terminen rausgeflogen waren. Benny setzte sich mit seinem einstudierten Song "This love" von Maroon 5 trotzdem durch und kam in die nächste Runde. Das bedeutete, über Nacht im Hotelzimmer weitere Songs einzustudieren und sich eine Choreografie dazu auszudenken. Benny ging auf Nummer Sicher und suchte sich "Otherside" von den Red Hot Chili Peppers aus, die zu seinen Lieblingsbands gehören.

Nina Hagen war begeistert

Die Jury fasste sich kurz: Nina Hagen war von Bennys Äußerem höchst angetan und schloss ihn als "meinen kleinen Otis (Redding)" ins Herz. Gesangsdozentin Jane Comerford (Texas Lightning) murmelte etwas wie "Da gucken wir mal" und Choreograf Detlef D. Soost fragte: "Wo hast Du denn diesen komischen Tanzstil her?" - "Ich bin eben Sänger und kein Tänzer", antwortete Benny und punktete auch damit. Als Nichttänzer hatte er sich vorher fest vorgenommen: "Du siehst total kacke aus und tust so, als würdest Du Dich toll fühlen." Ein Erfolgsrezept, das offenbar aufging.

Nach einem weiteren Durchgang, bei dem er gemeinsam mit einer reinen Mädchengruppe und Live-Band "Rock Steady" von All Saints singen musste, stand fest: Benny gehört zu den 61 Kandidaten, die die Qualifikationsrunde erreicht haben. Er ist nun am nächsten Donnerstag zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr auf Pro Sieben zu sehen und tritt dort gegen 29 Kandidaten an. Weitere 31 zeigten bereits am vergangenen Donnerstag ihr Können.

Nun gibt es ja nicht wenige Zeitgenossen, die Casting-Shows und Retorten-Bands generell abscheulich finden. Aber Benny macht Unterschiede. So hält er vom RTL-Pendant "Deutschland sucht den Superstar" (kurz: DSDS) mit Dieter Bohlen gar nichts: "Wenn Dir jemand sagt, Du bist scheiße, aber ich verrate Dir nicht warum - das brauche ich nun wirklich nicht." Kritik sei dagegen immer in Ordnung, wenn sie konstruktiv ist. Die Skepsis von Jane Comerford hat ihn deshalb eher angespornt, weil er weiß, "dass die fachlich total gut ist".

Auch Stefan Raab schätzt er, der gerade eine weitere Casting-Show unter dem einprägsamen Titel "Stefan sucht den Superstar, der singen soll was er möchte und gerne auch bei RTL auftreten darf" (kurz: SSDSDSSWEMUGABRTLAD) vorbereitet. Doch dieser Wettbewerb, der sich schon im Titel von Knebelverträgen à la RTL abheben will, ist erst für Musiker ab 18 Jahren freigegeben. Über Verträge spricht Benny lieber gar nicht erst. Aber auch er hat einen unterschrieben.

Was das Musik-Business angeht, sind seine Eltern etwas zwiegespalten. Aber Benny wird ihnen klar gemacht haben, dass er seine Chance jetzt ergreifen möchte, so lange er noch jung ist. Und er ist kein Anfänger. Bis vor zwei Jahren hatte er drei Jahre lang Gesangsunterricht in der Musikschule Alfeld, hat außerdem an Workshops in Hamburg teilgenommen. Er weiß also, was er mit seiner Stimme tut. Und ebenso weiß er, dass er durch seine afrikanischen Wurzeln auch optisch absolut fernsehtauglich ist. "Die Optik muss stimmen", sagt Benny und hat die Sorge, dass es eingebildet klingen könnte. Aber es ist Fakt.

Unabhängig vom weiteren Abschneiden ist der 16-jährige Hildesheimer der Meinung, dass sich die Teilnahme schon jetzt gelohnt hat. Nach der Schule will er auf jeden Fall weiter Musik machen und in Hamburg eine private Musicalschule besuchen. Ein Duett mit Xavier Naidoo wäre auch irgendwann mal toll. Fürs Erste hätte er allerdings gute Lust, in einer Band Live-Erfahrung zu sammeln. "Ich bin für alles offen, nur nicht für Metal."

(erschienen im Kehrwieder am Sonntag am 29. Juli 2007)

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