"Für den Playboy würde ich mich ausziehen"

Schönheitskönigin Katrin Schwarz aus Algermissen fährt neuerdings Jaguar

Von Lothar Veit

ALGERMISSEN. Wenn Autos Gefühle hätten, würde der nicht mehr ganz fabrikneue Golf von Katrin Schwarz bitterlich weinen. Die Algermissenerin, die Schönheitstitel sammelt wie andere Gartenzwerge oder Briefmarken, fährt jetzt Jaguar. Den hat ihr ein österreichischer Sponsor vor die Tür gestellt, der neuerdings eng mit der Organisation zusammenarbeitet, die Schwarz im vergangenen November in Duisburg zur Queen of the world Germany 2007 gekürt hat.

Renatus Derler heißt der Gönner, der sein Geld mit rauchfreien Zigaretten verdient - er hat also genau die Marktlücke entdeckt, die durch die weltweite Tabakverbots-Diskussion aufgerissen wurde. Aber das ist ein anderes Thema...

Katrin Schwarz jedenfalls erhielt seinerzeit für ihren Titel, übrigens den dritten bundesweiten Schönheitspreis innerhalb von zwölf Monaten, "nur" einen Reisegutschein nach Mallorca und einen Kleidergutschein. Dass vergangene Woche nun noch ein königlicher Dienstwagen dazukam, war für sie völlig überraschend. Eigentlich war sie an den Wörthersee gereist, um bei einer Modenschau mitzulaufen. Die schien dem neuen Sponsor so gut gefallen zu haben, dass er ihr nachträglich für ihren Miss-Erfolg die Schlüssel für einen Jaguar X-Type (156 PS, 45.000 Euro) überreichte. Und eine Tankkarte obendrein.

Seitdem steht der traurige Volkswagen vor dem elterlichen Haus in Algermissen an der Straße. Allerdings nur bis zum Ende des Jahres. Am 25. November wird die nächste deutsche Welt-Königin gekrönt, dann muss die Amtsinhaberin den Wagen wieder abgeben.

Mit 22 Jahren fast zu alt

Ihre Arbeitskollegen in Hannover staunten nicht schlecht, als Katrin Schwarz mit ihrem Luxusschlitten vorfuhr. Schließlich ist sie noch in der Ausbildung zur Kauffrau für Versicherung und Finanzen. Auch ihr Vater Ingo Schwarz, gleichzeitig Berater und Manager seiner Tochter, ließ sich eine Probefahrt nicht nehmen. Vom Fahrgefühl sind beide begeistert. "Wenn man auf’s Gas tritt, wird man richtig in die Sitze gedrückt", schwärmt Katrin.

Am Mittwoch ist die junge Frau, die sich nicht nur Queen of the world Germany 2007 nennen darf, sondern auch Queen of Niedersachsen 2007, Miss Deutschland International 2006, Miss Niedersachsen 2006 und Hochzeitsmodel 2006, zarte 22 Jahre alt geworden. Damit gehört sie nach eigenen Angaben in der Model-Szene schon fast zum alten Eisen. "Die Mädels in der Werbung sind alle erst zwischen 14 und 16 Jahren alt, da hat man die beste Haut. Die werden auf älter getrimmt."

Doch bis die 22-jährige Katrin für Fältchen-Creme werben muss, dauert es wohl noch ein bisschen. Zuletzt war sie bei der Männerzeitschrift FHM bei der Wahl zur "Nachbarin des Jahres 2006" ganz gut im Rennen. Am Ende hat es nicht für den Sieg gereicht. Vermutlich auch deshalb, weil sie als Einzige nicht alle Hüllen fallen lassen wollte. "Als amtierende Miss darf ich gar keine Oben-ohne-Fotos machen", sagt sie. Aber auch sonst hätte sie es nicht getan. Für viele seriöse Model-Jobs käme sie dann nicht mehr in Frage. Eine Ausnahme würde sie allerdings machen: "Für ein gutes Playboy-Angebot würde ich mich ausziehen."

Obwohl sie vom Modeln problemlos leben könnte, hat sie sich für eine "solide" Ausbildung entschieden. Auch sonst ist die Algermissenerin bodenständig geblieben. Für öffentliche Auftritte in ihrem Heimatort lässt sie sich nicht lange bitten. Politiker und Unternehmer schmücken sich gern mit ihr, sei es beim Neujahrsempfang der Gemeinde oder beim Gründungsfestakt der Bürgerstiftung am Montag dieser Woche.

Sie verzichtet auf Gage, wenn es um einen guten Zweck geht, um Tierschutz etwa. So gehört sie zu den Gründungsmitgliedern der Haischutzorganisation "SharkChance" und posierte für drastische Kampagnenfotos. Über ihren Marktwert schweigt sie sich ansonsten aus - da ist sie ganz Profi. Nur soviel: "Mein Monatsgehalt bei der Versicherung kann ich mit dem Modeln auch an einem Tag verdienen."

Die Klischees über ihre Branche treffen auf sie nicht zu. Sie nimmt keine Drogen. Sie übergibt sich weder nach jedem Essen noch von übermäßigem Alkoholgenuss. "Ich esse eigentlich ständig und habe das große Glück, dass ich extrem schnell Fett verbrenne. Ich muss nicht extra Sport dafür treiben." Oder gar zu noch drastischeren Mitteln greifen. Sie legt Wert auf Professionalität und kann Unpünktlichkeit bei der Arbeit nicht ausstehen.

Wenn Heidi Klum ihre Kandidaten bei "Germany’s Next Topmodel" zusammenfaltet, weil deren Gang, Ausstrahlung oder was auch immer nicht stimmen, hat Katrin Schwarz dafür Verständnis. Modeln ist harte Arbeit. Sie hatte überlegt, sich bei der zweiten Staffel der Sendung zu bewerben. Vor den emotionalen Ausnahmezuständen oder der Konkurrenz hätte sie keine Angst gehabt: "Ich bin nicht so der Zickentyp." Aber dann stand doch wieder die langfristige Karriere im Vordergrund. "Wenn ich genommen worden wäre, und wegen der Ausbildung nicht hätte mitmachen können, wäre das für mich die dritte große Enttäuschung gewesen."

Die erste: Am Wettbewerb zur Miss International in Tokio konnte sie nicht teilnehmen, weil ihr ein Sponsor fehlte, der Reisekosten und Kleider finanziert. Die zweite: Als sie den Titel Queen of the world Germany gewonnen hatte, hätte sie ebenfalls an der internationalen Endausscheidung teilnehmen können. Doch diesmal stürzte sie daheim über ihren schwarzen Kater und brach sich die Hand.

Unmoralische Angebote

Vielleicht sind es solche Zäsuren, die Katrin Schwarz realistisch und abgeklärt gemacht haben. Denn die Schattenseiten ihrer Schönheit hat sie auch bereits zu spüren bekommen. "Ein Aktienhändler aus Frankfurt hat 10.000 Euro für einen Abend mit mir geboten." Als er seine Gelüste noch etwas deutlicher formulierte, lehnte sie ab. Sie sei auch schon gefragt worden, ob sie getragene Unterwäsche verkaufe. Und ein unangenehmer Verfolger ("Stalker") hat sie ebenfalls eine Zeitlang belästigt.

Da hilft es, dass jeder Erstkontakt von Interessierten, ob seriös oder windig, über ihren Vater zustande kommen muss. Er filtert die Anfragen und ist ein guter Verhandler. Nur einmal, als er für sie eine Einladung zur Berlinale ausgeschlagen hat, gab es leichte Verstimmungen. Die Absage konnte noch rechtzeitig rückgängig gemacht werden.

Model und Versicherungskauffrau - so lange es geht, will Katrin Schwarz weiter zweigleisig fahren. Ende des Jahres zieht sie mit ihrem Freund nach Hamburg. Sie will sich dort in der Versicherungsbranche selbstständig machen, damit sie ihre Zeit für die Model-Jobs flexibler einteilen kann. Dann ist sie vielleicht schon bald bei ihrer Autowahl nicht mehr auf österreichische Gönner angewiesen.

Weitere Infos im Internet unter: www.katrin-schwarz.com

(erschienen im Kehrwieder am Sonntag am 13. Mai 2007)

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