Kollektivgrußwort

Grußwort zur Einführung von Ralf Drewes und Christine Tergau-Harms und zur Verabschiedung von Daniela Jeksties und Stefan Riepe bei der Landesjugendkammer am 3. November 2001

Ralf Drewes
Christine Tergau-Harms
Daniela Jeksties
Stefan Riepe


Ein bisschen Kopfzerbrechen hat uns im Vorstand der Landesjugendkammer die Situation schon gemacht. Verabschiedungen und Einführungen sind wir inzwischen gewohnt, man kann sagen: wir sind Profis darin. Aber gleich vier auf einmal? Das roch doch ein bisschen nach Massenabfertigung. Ein wenig wird es vielleicht auch so sein, aber die Arbeit in der Evangelischen Jugend (das ist mir rettenderweise gestern am Schreibtisch eingefallen) ist ja vor allem eine gemeinschaftsstiftende Sache und geht nicht ohne Teamarbeit. Was gibt es also Schöneres als Verabschiedungen und Einführungen im Team?

Es muss allerdings jede und jeder von euch vieren damit rechnen und leben, nicht von allen, die jetzt zu euch sprechen werden, gleichmäßig und gerecht bedacht zu werden. Auch ich habe meine Worte nicht abgezählt und durch vier geteilt und bitte euch, mir das nachzusehen. Ich möchte mich zuerst an die beiden Neuen wenden und das wird etwas kürzer ausfallen, weil die längeren Hymnen sicher bei eurer Verabschiedung erklingen werden, die ich in meiner jetzigen Funktion hoffentlich nicht mehr erleben werde.

Ralf Drewes
ist der neue Pastor für die Schülerinnen- und Schülerarbeit. Es ist gut, dass nach einigem Hin und Her eine solche Stelle wieder eingerichtet werden konnte. Ralf, Du hast nun die spannende Aufgabe, gemeinsam mit anderen ein langfristig tragendes Konzept für diesen Arbeitsbereich zu entwickeln. Ich kenne Dich noch aus Deiner Arbeit als Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises Alfeld und dachte mir immer: "Das ist einer von diesen Pastoren, bei dem Jugendliche sagen 'Was? Das ist ein Pastor? Hätte ich nicht gedacht.'" Es ist zwar bitter für viele andere Pastorinnen und Pastoren, aber so ein Satz ist als Kompliment gemeint. Ich freue mich, dass Du da bist, und wünsche Dir viel Erfolg und Freude bei Deiner Arbeit.

Christine "Kaija" Tergau-Harms
ist die neue Pastorin für Verkündigung, geistliches Leben und Fortbildung im Landesjugendpfarramt. Also nicht verantwortlich für das geistliche Leben im Landesjugendpfarramt, sondern im Landesjugendpfarramt zuständig für das geistliche Leben der Evangelischen Jugend in der ganzen Landeskirche (worauf ich schon Deinen Vorgänger etwas penetrant hingewiesen habe). Nun ist mit so einem ominösen Titel die konkrete Arbeit noch nicht ganz hinreichend beschrieben. So ging es Dir am Anfang, glaube ich auch, dass Du kaum damit rechnen konntest, dass Du in irgendeiner Schublade in Deinem Büro vielleicht das Konzept für geistliches Leben findest. Inzwischen wird Dir - entweder mit Freude oder Entsetzen - etwas klarer geworden sein, was auf Dich zukommt. Der Ausschuss für Theologie freut sich auf Dich, die Organisation des Jugendforums beim Tag der Kirchenvorstände ist schon mal ein dicker Brocken und die Planungen zum Landesjugendcamp hast Du auch bereits kennen gelernt. Du hast Dich außerdem dankenswerterweise bereit erklärt, den Ausschuss für geschlechtsbewusste Arbeit, KarLLotta, zu unterstützen.

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Daniela Jeksties
Du warst bislang die Fachfrau für "KarLLotta", weil Du im Rahmen des Niedersächsischen Modellprojektes unsere Referentin für Mädchenarbeit warst. "Warst" im doppelten Sinne, denn nicht nur Du als Person beendest Deine Tätigkeit, sondern die Zeit des Modellprojektes ist um. Es gäbe einiges dazu zu sagen, wie es mit der Arbeit weitergehen kann. Die Landesregierung hat ein neues Modellprojekt mit anderer Schwerpunktsetzung zugesagt und die Landesjugendkammer überlegt parallel dazu, wie sie den Verlust, den das Auslaufen Deiner Stelle bedeutet, auffangen kann. Da ist vieles im Gespräch, aber das will ich an dieser Stelle nicht im Einzelnen aufzählen.

Heute ist vielmehr der Ort, an dem wir Dir für Deine geleistete Arbeit danken wollen. Du hast gestern in Deinem Bericht noch einmal eindrücklich dargelegt, was Du in Deinem Amt alles bewirken konntest und natürlich auch, wo für Dich Fragen offen geblieben sind. Wir können an dieser Stelle nur sagen, dass das Thema Mädchenarbeit und sicher verstärkt auch Jungenarbeit für die Landesjugendkammer ein Thema bleiben wird.

Neben Fachtagungen, Fortbildungen und einem sehr gelungenen "mitarbeiten"-Heft hast Du in Deiner Amtszeit gemeinsam mit "KarLLotta" einen weiteren Meilenstein gesetzt: Die Standards der Evangelischen Jugend für geschlechtsbewusste Jugendarbeit. Sie resultierten aus einem intensiven und spannenden Prozess und schreiben fest, an welchen Qualitätskriterien die Evangelische Jugend sich messen lassen will. Du sagst zu Recht, dass hier die Theorie bislang der Praxis noch voraus ist, das wird niemand bestreiten wollen. Aber wir haben auch gemerkt, dass die Sensibilisierung für geschlechtsbewusste Jugendarbeit durch das Modellprojekt beharrlich gesteigert wurde - was sich in der Landesjugendkammer und anderen kirchlichen Gremien zunächst einmal in einer sorgfältigeren Sprachverwendung äußert und vor Ort beispielsweise langsam aber sicher als Standard in die Ausbildung von Jugendgruppenleiterinnen und -leitern eindringt.

Ein Problem ist sicherlich, dass der Bereich der geschlechtsbewussten Jugendarbeit, sei es Mädchen- oder Jungenarbeit, noch zu oft von der persönlichen Schwerpunktsetzung der Hauptamtlichen abhängt. Dir ist es deshalb zu verdanken, dass Du in diesem Bereich einiges an Vernetzungsarbeit geleistet hast. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden nach Deinem Weggang vor eine harte Probe gestellt, da wir alle auch wissen, dass die Arbeitsbelastung Einzelner mit den zunehmenden Stellenkürzungen steigt. Bei allem nüchternen Realismus freuen wir uns aber über die bereichernde Zeit mir Dir und wünschen Dir alles Gute für die Zukunft.

Stefan Riepe
war Programm-Manager des YouthCamp 2000 in Hildesheim und hat zu Recht immer wieder darauf hingewiesen, dass er im Zeitalter von Windows 98 (das war damals ganz neu) eigentlich "Explorer" hätte heißen müssen. Manager klingt nach harter Arbeit und fantastischer Bezahlung. Bei der Evangelischen Jugend fällt der eine Teil leider weg, ich sag' nicht, welcher...

Du hattest die Aufgabe, ein Projekt aus dem Boden zu stampfen, dass es vorher noch nie gegeben hat. Als die Planungen begannen, war die EXPO noch weit weg (in Klammern: inzwischen ist sie schon wieder weit weg) und als sie dann näher kam, war aber immer noch völlig unklar, welche Dimensionen eine solche Weltausstellung haben könnte.

In dieser ganzen unsicheren Situation habe ich Dich immer als einen Menschen erlebt, der andere Menschen - auch uns hier in der Landesjugendkammer - motivieren konnte, mit medialem Einsatz (den Du gestern überraschenderweise verschmäht hast) aber auch einfach mit Dir als Person. Man hat Dir abgenommen, dass Du an dieses Projekt glaubst.

Die Landesjugendkammer hat sich die Entscheidung damals nicht leicht gemacht und versucht, eine Differenzierung zwischen einer originären "Beteiligung an der EXPO" und einem Angebot für Jugendliche "während der EXPO" zu machen. Ersteres wollten wir nicht. Wir wissen allerdings auch, dass es nicht einmal innerverbandlich vollständig gelungen ist, das zu kommunizieren.

Umso erfreulicher war für mich, dass gerade Du nicht nachgelassen hast, diesem Anspruch - einer kritischen Auseinandersetzung mit der EXPO, aber Gastfreundschaft bieten für Jugendliche, die natürlich überwiegend da waren, weil sie zur EXPO wollten - treu zu bleiben und ihn umzusetzen. Ich nenne das ökologische Konzept des YouthCamp, das bis in die Merchandising-Artikel reichte. Ich nenne den Begegnungscharakter, der sich besonders im Café International zeigte, das diesen Namen wirklich verdiente. Ich nenne die verschiedenen Workshops, in denen Gäste authentisch aus ihren Herkunftsländern erzählen konnten, was sich manchmal anders anhörte als das, was auf den EXPO-Monitoren und Hochglanzbroschüren zu sehen war. Und ich nenne die Arbeit zwischen Evangelischer und katholischer Jugend, die es in diesem Umfang auch noch nicht gegeben hatte und die für mich persönlich, als ich beim YouthCamp gearbeitet habe, zu den größten Bereicherungen des sagenumwobenen Jahres 2000 gehörte.

Inzwischen gibt es eine gelungene Dokumentation, die Du in Deinem Laju-Büro ausgebrütet hast, wobei Du manchmal das Gefühl hattest, das YouthCamp interessiere eigentlich keinen mehr. Ich wage zu behaupten, dass das nicht stimmt. Viele sind natürlich eingeholt worden von ihrer alltäglichen Arbeit und neuen Projekten, aber so ein Erlebnis wie das YouthCamp geht an niemandem spurlos vorüber.

Wir erleben das ja gerade bei den Planungen für das Landesjugendcamp. Ich weiß nicht, wie oft das Stichwort "YouthCamp 2000" - und hier muss man natürlich genauso JAM-City nennen - schon gefallen ist. Oft jedenfalls, und die Erfahrungen aus diesen Projekten werden wie selbstverständlich ins Camp einfließen. Im übrigen auch Deine ganz persönlichen Erfahrungen. Du hast ja schon gemerkt, dass wir an vielen Stellen, etwa bei den zentralen Veranstaltungen, auf Deine Kompetenz nicht verzichten wollen und können. Und es ist schlau vom Amt für Gemeindedienst, dass sie Deine Fähigkeiten erkannt haben und Du sozusagen jetzt, wenn ich das mal etwas salopp formulieren darf, als Joker-Diakon für Großprojekte zuständig bist.

In diesem Bereich wird es zwischen der Arbeit der Evangelischen Jugend und Deiner neuen Tätigkeit immer wieder Schnittmengen geben; Du hast uns gestern schon ein paar Impulse dafür gegeben. Beim Tag der Kirchenvorstände gibt es diese Schnittmenge bereits und bei anderen Veranstaltungen wird das genauso sein. Du bleibst also irgendwie in unserer Nähe und das ist auch gut so.

Lothar Veit, Vorsitzender der Landesjugendkammer
3. November 2001

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