Regentag

1
Der allererste Blick zum Fenster
Die Landschaft grau in grau gemalt
Kein Sonnenstrahl, nur Wolkensuppe
Die ersten Tropfen fallen bald

Am Türgriff baumeln Neuigkeiten
Das Weltgeschehn schwarzweiß gedruckt
Hier kleine und dort große Kriege
Die Klarsicht hat der Dunst verschluckt

Refrain
Regentag
     Ein Tag, an dem man liegenbleiben will
Regentag
     Wo Wege weder Weg sind noch das Ziel
Regentag
     Kein Lachen und kein Weinen, alles still
Regentag
     Ein Tag wie ein verschwommenes Gefühl

2
Der zweite Blick, es plätschert leise
Im Radio die gleichsten Hits
Der Einheitsbrei für Selbstbestimmte
Kein Satz zu hart, kein Wort zu spitz

Der Nachmittag quält sich vorüber
Am Fenster klopft der Regen an
Was bleibt zu tun, was lässt sich machen
Nichts, was irgend helfen kann

Refrain
Regentag ...

3
Der letzte Blick, der Abend schwindet
Die Tropfen unsichtbar im Nichts
Der Bildschirm flimmert flimmerfrei
Die neue Form des Abendlichts

Berlin, New York, Irak, das Wetter
Die Erde kreist um sich allein
Der Lauf der Dinge nicht zu stoppen
Das Sein bestimmt Bewusstlossein

Refrain
Regentag
     Ein Tag, an dem der Aufstand unterblieb
Regentag
     Die Zeit rinnt durch ein lebensgroßes Sieb
Regentag
     Ein Tag, an dem ich nicht Geschichte schrieb
Regentag
     Wo ist er hin, haltet den Tagedieb

Lothar Veit
30.08.2005

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